MONA LISAS LÄCHELN

Mona Lisas Lächeln         (Mona Lisa Smile, USA 2003)

Regie: Mike Newell. Buch: Lawrence Konner und Mark Rosenthal
Mit: Julia Roberts (Katherine Ann Watson), Kirsten Dunst (Elizabeth „Betty“ Warren), Julia Stiles (Joan Brandwyn), Maggie Gyllenhaal (Giselle Levy), Juliet Stevenson (Amanda Armstrong) u.v.a.
120 Minuten         (2 von 10 Punkten)

Um gleich die Katze aus dem Sack zu lassen: MONA LISAS LÄCHELN ist so belanglos und mittelmäßig wie sein Titelbild. Auch nach zwei Nächten des Überschlafens und vergeblichen Suchens nach bemerkenswerten Qualitäten kann ich dem Film wenig Sehenswertes, geschweige denn irgendetwas Herausragendes attestieren. Ich tue niemanden einen Gefallen, wenn ich mir Kluges aus den Fingern sauge: Es ist schlicht und einfach nichts da! Und das trotz der „350 Frauen im Film, viel Spaß dabei“, wie mir der Kartenabreißer im Cineplex zuraunte, im Glauben scherzhaft zu sein.

Viele junge Dinger und einige alte Schachteln kommen wirklich drin vor, die Geschichte spielt im Wellesley-College („a liberal arts college for women“; gibt’s wirklich!) an der Ostküste der USA. Wir schreiben das Jahr 1953, Katherine Watson kommt frisch aus Kalifornien, um in der Oberstufe Kunstgeschichte zu lehren. Sie ist nur die zweite Wahl, ihr Unterricht in Form und Inhalt abseits der konservativen Linie des Hauses und ihr Einfluss auf die Elevinnen der Schulführung und dem Elternrat bald ein Dorn im Auge.

Kommt das jemandem bekannt vor? Klar: CLUB DER TOTEN DICHTER (Dead Poets Society, 1989) lässt schön grüßen. Die Parallelen sind so mannigfaltig und teilweise bis ins Detail offensichtlich, dass ich gar nicht mit dem Aufzählen beginnen möchte. Liebe Freunde: Schaut euch also besser die Wiederaufführung des Klassikers in Kino oder TV an.

Ein pures Plagiat sollte man Mike Newell und seinen Drehbuchautoren der Fairness halber aber nicht unterstellen. So zeigen sich Watsons Schülerinnen als überirdisch belesen und genießen es, die Neue in der ersten Unterrichtsstunde mit erlerntem Wissen zu demütigen. Kirsten Dunst als Betty bleibt während des Films auf Konfrontationskurs, während John Keating die Jungs bald alle auf seiner Seite hatte. Mrs. Watson darf sich gegen die engstirnige Direktorin empören und sich temperamentvoll den Frust beim forschen Italienischlehrer von der Seele reden.

Überhaupt wird Julia Roberts’ Rolle weitaus mehr Filmpräsenz eingeräumt als damals der von Robin Williams, dessen Englischlehrer nur der geistige Initiator der Ereignisse war und sich am Schluss still und geschlagen der Ausweisung fügte. Man darf allerdings nicht vergessen, dass wahrscheinlich die Hälfte der Zuschauer nur wegen Julia überhaupt in den Film strömen und die Gage von bis zu 25 Millionen Dollar irgendwo ihren Niederschlag finden sollte.

Mit der Wahl von MONA LISAS LÄCHELN tun sich aber weder Julia noch die Zuschauer einen Gefallen. Der Film funktioniert nicht als Komödie, nicht als zeitkritische Gesellschaftsstudie oder als Liebesfilm. Er ist von allem ein bisschen und deshalb dermaßen unentschieden und seicht, dass man sich als Zuschauer fragt: Was soll das? Warum sehe ich mir das an? Die Vermutung liegt nahe, dass versucht wurde, die Charaktere der Paraderollen der Roberts (PRETTY WOMAN bzw. ERIN BROCKOVICH) in einer Person zu vereinen, ein Unternehmen, das weitgehend gescheitert ist.

An Miss Roberts’ Seite agiert eine Reihe hoffnungsvoller Jungschauspielerinnen, deren Talente leider an allzu stereotype Rollen (die – moderate, was sonst? – Schlampe, die Kluge, der Intrigante, das hässliche Entlein) verschenkt sind. Mit ihnen soll das Frauenbild der damaligen Zeit kritisiert, persifliert, karikiert, verharmlost, angeprangert …, ja, was denn werden? Es bleibt ungewiss. Last but not least die Männer: Sie gleichen noch mehr den Abziehbildern einer längst vergessenen Epoche. Und und und.

Jede weitere Betrachtung haut in die gleiche Kerbe. Glaubt mir: In einer 45-minütigen TV-Dokumentation über die 50er Jahre wäre der Stoff besser aufgehoben gewesen als hier filmisch auf der großen Leinwand.


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